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Massimo's Kolumne



Eichhof meets Lagavulin: 0-1

veröffentlicht um 24.06.2014, 22:16 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 24.06.2014, 22:20 ]

Sportler achten auf ihre Ernährung. Von Tennisspielern ist bekannt, dass sie auf Bananen schwören. Bekannt ist auch, dass Fussballspieler gerne vom Mannschaftskoch mit Pasta vor einem Spiel versorgt werden. Zur ausgewogenen Ernährung gehört natürlich auch, dass genug und richtig getrunken wird. Süsse und zuckerhaltige Getränke sind verpönt. Früher war man mit einfachem Wasser noch gut unterwegs aber heute gehören isotonische Getränke zum guten Ton – zumal diese (noch?!) auf keiner Doping Liste stehen.

Was ist aber mit den Schachspielern? Was für Flaschen und Esstüten stehen in Griffnähe neben dem Brett? Einer der bekannteren Fälle ist Joghurt. Beim Weltmeisterschaftswettkampf Karpow-Kortschnoi gab nicht so sehr der Nährwert des Joghurts zu reden, sondern vielmehr die Farbe (Früchte?!) der Verpackung. Wurden damit etwa geheime Botschaften dem Spieler vom Sekundantenteam weitergegeben? Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu wissen, ob die Anzahl Fruchtstücke im Joghurt stets die gleiche war. Ich meine, ob 3 oder 4 Erdbeerstücke darin enthalten waren kann als Botschaft gewertet werden. Dies wurde allerdings nicht untersucht… Es sind auch Fälle dokumentiert, wo der sich gestört fühlende Schachspieler dem verdutzten Gegenüber die Packung Salzstangen entriss und diese grossmundig und Krümel-Monster-Mässig selber ass.

Schokoladen- und Power-Riegel sind auch gern gesehene Gäste neben einem Schachbrett. Zu den guten alten Zeiten wurde noch von Kaffee-Haus-Spielern gesprochen. Da sieht man schon, dass dem Getränk vor noch nicht allzu langer Zeit mehr Gewicht geschenkt wurde als der Speise. Ein weiterer Blick über die Schachbretter bei Turnieren zeigt, dass den Getränken auch wieder mehr Beachtung zukommt als auch schon. Nehmen wir mal unseren aktuellen Weltmeister. Schon bemerkt, dass dieser stets mit einer Flasche Orangensaft zur Partie erscheint? Wieder andere tauchen mit einer eigenen Mischung in einer geheimnisvollen Thermosflasche auf. Alkoholische Getränke sind aktuell verpönt. Es gab aber in der Vergangenheit auch schon angetrunkene und „besoffene“ Schachweltmeister und Grossmeister (am Brett!). Die Ergebnisse sind zweideutig. Ob nüchtern oder angeheitert, es gibt noch keine akademischen Untersuchungen, wie man seine Spielstärke nachhaltig steigern kann. Immerhin wissen wir aber aus sicherer Quelle, dass angeheiterte Spieler mehr als 32 Figuren zur Auswahl in einer Partie zu glauben haben...

Zu unserer heutigen Partie passt diese kleine Einleitung nicht schlecht. Cavalblanca war Zeuge der nachfolgenden Partie zwischen den in Schachkreisen mit dem Spitznamen bekannten Spielern Eichhof und Lagavulin. Der erste ist bekannt dafür während einer Schachpartie ein oder zwei Bierchen zu konsumieren und dabei respektable Ergebnisse zu erzielen. Der zweite Spieler, Lagavulin ist zwar in seiner Freizeit als single Malt Geniesser bekannt, am Brett schwor er bisher stets auf einfaches Wasser – bisher!

Nach der Eröffnung zwischen Eichhof und Lagavulin war folgende Stellung entstanden. Offenbar hat Lagavulin am Vorabend bis tief in die Nacht analysiert und sein Lieblingsgetränk genossen. Anders kann man die verschlafene - pardon ich meine versoffene - Stellung nicht erklären - ein Desaster!

Eichhof konnte seine Figuren ideal platzieren, währenddessen Lagavulin planlos in der Stellung herumstocherte. Mit Ausnahme des Tf1 hat Eichhof seine Figuren gekonnt und aussichtsreich aufgestellt. Besonders das Springer-Duo auf c5 und e5 ist furchteinflössend. Ausserdem drückt Eichhof auf der c-Linie und auf verschiedene weisse Felder im schwarzen Lager (f5 und b7). Lagavulin hat schlechter postierte Figuren (Ta8, Dd8, Tf8). Der Ld7 ist ein Gefangener seiner eigenen Bauernkette.

Selbstverständlich erkannte auch Lagavulin seine missliche Lage unterschätzte aber die Gefahren bei weitem.

Da Eichhof mit 17.Sa4-c5 indirekt den Bauern f5 attackiert, deckte Lagavulin diesen mittels 17…g7-g6 zusätzlich zur Unfreude des Ld7. Eichhof spielte kurzerhand 18.Se5xd7. Lagavulin fiel beinahe aus seinem Stuhl. Ein positioneller Missgriff dachte Lagavulin – wie kann Eichhof bloss einen seiner zwei superpostierten Springer gegen den Taugenichts auf d7 eintauschen? Hatte sich Eichhof an seiner ersten Bierflasche verschluckt? Zu Partiebeginn hatte nämlich Eichhof sich eine Flasche Bier bestellt und bereits ein paar kräftige Schlucke davon getrunken.

Kaum hatte Lagavulin sich mit diesen Gedanken abgegeben, dämmerte ihm, dass der Zug 18.Se5xd7 kombinatorisch begründet ist. Der Ld7 deckte das Feld e6 und nun ist eine Springergabel mit Qualitätsverlust nicht mehr zu vermeiden. Trotzdem blieb Lagavulin guter Dinge – immerhin winkt der Bauer e3 als kleine Entschädigung. Trotzdem, die Stellung ist ein Trümmerhaufen und wie Lagavulin nach der Partie schilderte, schätzte er diese Stellung als verloren ein, was objektiv auch korrekt ist. Lagavulin konnte nur noch den Kopf schütteln – was für ein Desaster! Die Stellung verschlafen und einen völligen Mist gespielt. Wohlan Eichhof – gut gespielt und Prost!

In seiner Verzweiflung tat nun Lagavulin etwas, was er noch nie gemacht hatte. Er führt nämlich stets einen Flachmann mit feinstem single Malt abgefüllt mit sich. Dieser ist nicht für den Genuss während der Partie gedacht, sondern nach der Partie oder in der Pause. Es wurde nämlich eine Vormittags- und Nachmittagsrunde gespielt. Gedankenverloren griff Lagavulin deprimiert über seine Leistung und den Verlust der Partie vor Augen in die Innentasche seines Anzugs, wo er den Flachmann aufbewahrt. Noch bevor er klar denken konnte hatte er angesetzt und sämtlichen Innhalt in einem Zug getrunken… Da wurde ihm sein Missgriff gewahr – Missgriff? Ach was! Genuss, Wohlbefinden und Wonne stieg nun plötzliche aus seinen Tiefen empor. Plötzlich sah er den keimenden Verlust mit anderen Augen. Sah bis anhin verborgene Ressourcen und versank in tiefes Nachdenken – die anwesenden Kiebitze berichten nach der Partie allerdings etwa 10 Minuten lang ein Schnarchen vernommen zu haben, bevor Lagavulin seinen nächsten Zug ausführte.

In seinem Rausch erkannte Lagavulin nämlich, dass der Bauer d4 vereinzelt auf dem Brett verbleiben wird.  Bekanntlich ist so ein Isolani leichter anzugreifen, weil er durch keinen Bauerskollegen mehr gedeckt werden kann. Da Eichhof, um die Qualität zu gewinnen beide Gewalts-Springer abtauscht, verbleibt ihm als Leichtfigur (nebst den drei Schwerfiguren) nur noch der weissfeldrige Läufer. Dieser vermag allerdings den Bauern d4 selber nicht zu decken. Lagavulin verbleiben zwei Schwerfiguren plus zwei Springer. Man rechne! Reine Mathematik – Lagavulin hat vier potenzielle Angreifer auf den Bauern d4 und Eichhof kann diesen höchstens drei Mal decken! Na? Sind das nicht erfreuliche Aussichten? Nicht ganz, denn Lagavulin ist bei diesem Plan auf die Hilfe von Eichhof angewiesen. Wie wir sehen werden geschieht genau das!

Es bleibt wohl für immer ein Geheimnis ob Eichhof bereits im Siegesrausch war oder nicht. Den Sieg vor Augen hat seine Konzentration vielleicht abgenommen. Ob die geistige oder diejenige im Blut?! Das wissen wir nicht genau. Jedenfalls, bestellte Eichhof eine zweite Bierflasche – vielleicht eine zu viel oder eine zu wenig? Dem guten Eichhof ist allerdings kein Vorwurf zu machen. Der Fairness halber muss gesagt werden, dass Lagavulin von Hause aus im Vorteil war. Ein Glas single Malt bringt mehr Konzentration als ein Glas Bier. Damit kann auch der Geistesblitz von Lagavulin erklärt werden – er war eben in die Stellung mehr vertieft oder wie man hier korrekterweise sagen muss konzentriert, weil er eben single Malt und nicht Bier getrunken hatte. Lagavulin enthält von Hause aus 43% Konzentration währenddessen Eichhof bloss auf 4.8% kommt. Kein Wunder also, dass Lagavulin mehr sah als Eichhof. Eichhof war im Verhältnis von 4.8:43 unterlegen und damit chancenlos!

Aus seiner tiefen Konzentration erwacht, spielte Lagavulin 18…Sf6xd7 .Es folgte 19 Sc5-e6 (die Springergabel) 19 Dd8-e7 20 Se6xf8 De7xe3+ und nun begann Eichhof den Lagavulinschen Plan (unbewusst) zu unterstützen und spielte 21 Dc2-f2 statt des besseren Kg1-h1. Wieso denn das? Haben wir nicht gelernt, dass es einfacher ist mit Materialvorteil ins Endspiel abzuwickeln, wo dann der Verteidiger weniger Figuren hat um noch im Trüben zu fischen? Ja schon, doch keine Regel ohne Ausnahme. Eichhof tauscht fleissig Figuren ab, bis auf seinen Läufer und einen Turm. Lagavulin verbleiben dann noch zwei Springer. Im Kampf um den Bauern d4 ist damit Lagavulin 2:1 im Vorteil!

21…De3xf2+ 22 Tf1xf2 Sd7xf8 23 Tf2-e2 Kf8-f7 24 Tc1-e1 Ta8-e8 25 Te2xe8 Sd6xe8 Genau diese Stellung hatte Lagavulin nach dem Flachmann-Trunk mit anschliessendem Schnarch-Denken vor seinem geistigen Auge. Eine seltsame Stellung – zwei Cavalpatz am Rand! Allerdings keine Schande in diesem Fall sondern eine Ausnahme der Regel! Bisher lief alles wie geschmiert für Lagavulin aber es kommt noch besser für ihn.

26 Ld3-c2 Nichts ahnend begibt sich damit Eichhof endgültig auf die Verliererstrasse. Eichhof hat einen Turm, der allerdings nicht ins Schwarze Lager vorpreschen kann, da die Einbruchsfelder gedeckt sind. Und ein Turm kann nur seine Wirkung auf offenen Linien oder besser noch auf der 7. oder 8. Reihe entfalten, wo er dann auf Bauernjagd gehen kann und Angst und Schrecken verbreitet. Sinngemäss  hätte hier Eichhof unbedingt eine zweite Front öffnen müssen! Das Prinzip der Zwei Schwächen! Eine Schwäche kann der Verteidiger immer noch gut halten, bei zwei wird es aber kritisch! In diesem Sinne war 26 b4! Goldrichtig 26…axb4 (26…Se6 27 bxa5 Sxd4 28 Tb1 Sd6 29 Txb7 und der Bauer läuft durch) 27 a4! Sd7 28 a5 und Weiss hat am Damenflügel eine zweite Schwäche im Schwarzen Lager herbeigeführt, was in diesem Fall entscheidenden Vorteil bringt – Weiss stünde auf Gewinn.

So aber… 26…Sf8-e6 27 Te1-d1 Oh je! Bereits muss der Turm unliebsame Verteidigungsarbeit leisten. Der Anfang vom Ende! 27…Se8-d6 28 a3-a4 es drohte …Sd6-b5 nebst Gewinn des Bauern d4. Allerdings stellt Eichhof zum Leidwesen des Lc2 einen Bauern auf dessen Weidefelder. 28…Sd6-c4 29 Kg1-f2 f5-f4 fixiert die Schwäche auf e3! 30 Lc2-b3 Sc4-e3 31 Td1-d2 Se3-f5 32 Lb3-d1 Sf5xd4 Es ist vollbracht! Dank single Malt Unterstützung ist der Plan aufgegangen! Nun steht Schwarz technisch wohl auf Gewinn. Weiss hat kaum noch Remischancen… Es folgten noch ein paar Züge mehr, bevor Eichhof die Partie aufgab.

Die Moral der Geschicht? Gegen Lagavulin ist kaum ein Kraut gewachsen. Er ist im Schach der Konzentration förderlich. Ach übrigens, noch bevor der Orangensaft Weltmeister war - aber damals schon der stärkste Spieler der Welt - hatte Lagavulin in einem Simultanspiel die Gelegenheit gegen ihn zu spielen. Das Partieresultat war Remis - ALLERDINGS, verflixt und zugenäht! erschien der spätere Weltmeister zu dieser Gelegenheit sonderbarerweise ohne Flasche Orangensaft ebenso wie Lagavulin ohne single Malt Flachmann den Saal betrat - wahrscheinlich das Resultat der strengen Sicherheitskontrollen. Damit bleibt uns die Schachpartie Orangensaft gegen Lagavulin der Nachwelt leider verwehrt!

Grob meets Borg: 6-0

veröffentlicht um 27.04.2014, 23:55 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 27.04.2014, 23:56 ]

Goldene Schachzeiten, so heisst der Titel eines (fast schon) vergessenen Schachbuch Klassikers (Cavalblanca hatte wohl bereits einen Lagavulin zu viel. Wie kann ein Klassiker denn schon vergessen sein?) von Milan Vidmar. Damals, im letzten Jahrhundert, da waren die Analysebretter noch aus ehrlichem und schönem Wurzelholz und nicht aus elektrifizierten Silikonverbindungen in Form einer CPU (Central Processing Unit) mit so wohlklingenden Namen wie Fritz, Rybka oder Konsorten. Damals, als Fernschach noch auf dem Postweg gespielt wurde und Tennis Rackets aus filigranem Holz so wie auch ein Golf Driver holzig war und nicht aus hochgezüchteten industriellen Materialverbindungen bestanden, da machte ein gewisser Björn in Stockholm seine ersten schachlichen Geh-Versuche.

Björn war nicht auf den Kopf gefallen und entdeckte im väterlichen Haus auf seinen Erkundungstouren ein wunderbares Schachbrett samt Figuren aus edlem Holz. Schnell erlernte er, wie man damit gekonnt auf dem Brett Kunstwerke schaffen konnte. Er war ein Gefühls Spieler, der auch die Haptik (ein Wort unserer Zeit – früher sagte man dazu. Die Figuren liegen gut in der Hand) des Holzes der schönen Figuren liebte. Er wuchs heran, seine Spielstärke wurde grösser und grösser. Bald war ihm niemand mehr gewachsen, sowohl in Schweden als auch anderswo. Viele Kenner und Meisterspieler sagten ihm eine grosse Schachzukunft voraus – sogar den Weltmeistertitel. Wie kommt es aber, dass wir von keinem starken Schachspieler Björn je gehört haben?

Nun, das ist so. Damals betrieb die altehrwürdige NZZ auch eine FernschachzentraleMeisterspieler Grob spielte eine Fernschachpartie gegen jeden, der es gegen ihn aufnehmen wollte. Man schickte einen Zug an die NZZ und Grob publizierte seinen Gegenzug in der NZZ Kolumne. Da es eine wöchentliche Kolumne war, dauerte eine Fernschachpartie schon mal einige Monate, ja sogar über ein Jahr. Und weil die NZZ nicht irgendeine Zeitung war, und weil der älteste Schachklub der Welt in Zürich ist, war auch die Fernschachzentrale eine Institution im schachlichen Stockholm. Wer in Stockholm etwas auf sich hielt, spielte gegen die NZZ Fernschachzentrale. Und, wer gut war, es zu etwas bringen wollte, musste hier punkten. Remis oder Sieg, das war der Traum eines ambizionierten jeden Schachspiers, da gab es keinen Weg vorbei. Damals, ja damals in den goldigen Schachzeiten galt man nur dann als guter Schachspieler, wenn man einen  Wettkampf Mann gegen Mann mit mindestens 6 Gewinnpartien als Erster gewinnen konnte. Das wussten auch noch Karpov und Kasparov. Doch der ehrliche Kampf Mann gegen Mann auf 6 Gewinnpartien geriet aus undurchsichtigen Gründen später in Verruf…

Wohlan, klein Björn forderte die Fernschachzentrale heraus: Grob gegen Borg. Die ersten fünf Partien sind nicht mehr überliefert und gingen bei der Digitalisierung des NZZ Archivs leider verloren. Bekannt ist das Ergebnis: 5-0 für Grob. Wie konnte das bloss sein? Der talentierte Borg mit 5 Partien im Rückstand?! Tja, manchmal geschehen aus jungem Übermut Dinge, die nicht sein dürften. Doch aus nicht allzu ferner Zeit wissen wir, dass Kasparov im berühmten Schachmarathon gegen Karpov auch nicht den Bettel hinschmiss, als er 5-0 im Rückstand lag – und wir wissen, er holte auf. Der Wettkampf wurde zwar abgebrochen, doch schliesslich setzte sich Kasparov im darauffolgenden Wettkampf durch.

Klein Björn war aus ebenso unbeugsamen Wurzelholz geschnitzt wie Kasparov. Aufgeben gab es für ihn nicht, Kampfwille pur bis zum letzten Schweisstropfen. Also setzte er auch zur 6. Partie gegen die Fernschachzentrale an. Leider ist auch hier die Partienotation nicht überliefert. Allerdings ist die kritische Stellung dieser Partie bekannt. Grob gegen Borg. Weiss am Zug.


Sogar der Laie erkennt, dass Weiss unter schweren Beschuss steht. Borg hat konsequent gespielt und seine Initiative ausgebaut und steht kurz vor dem Mattsetzen – er reibt sich schon die Hände und gratuliert sich in Gedanken zum ersten Sieg. Wahrlich stark gespielt… Doch HALT! Nach dieser Partie verschwand Borg aus der Schachszene. Überhaupt, sowohl für Borg als auch für Grob war diese Partie ein einschneidendes Erlebnis – nichts war danach wie vorher, und zwar für beide! Doch was war geschehen? Es fehlt zwar jegliche Notation zur Partie, aber immerhin wurde das Diagram im NZZ Archiv gerettet UND das Ergebnis des Wettkampfs Grob gegen Borg lautet gemäss Aufzeichnungen der NZZ 6:0, ein Fehler etwa? Wie konnte Borg bloss diese Stellung verlieren?

Der Leser dieser Kolumne ist aufgefordert selber die Lösung zu finden, bekommt aber Hinweise dazu: Weiss am Zug. Ein kleiner Tip. Es gibt nicht viele Züge, welche das Matt verhindern. Darum ist die Auswahl an weissen Kandidatenzügen beschränkt.

Wenn die Lösung nach 30 Minuten noch nicht feststeht, schlage ich vor, die eingangs erwähnte Hilfe in Form einer plattgedrückten kleinen Silikonplatte namens CPU einzusetzten. Jeder Fritz bringt die Lösung. In der Tat, der Schein trügt. Schwarz steht auf Verlust!!! Dabei hatte sich Björn so viel vorgenommen. Doch Grob war eben eine Fernschachzentrale Institution. Für einmal spielte er an dieser Stelle wie der Amerikaner Frank Marshall, der den Spitznamen, der „findigreiche“ Amerikaner hatte… Ja, der findigreiche Grob eben. Er publizierte seinen Gewinnzug in der NZZ und danach hörte man nichts mehr von Borg auf dem Schachbrett…

Grob war nach dieser Partie nicht mehr der Alte. Aus unerfindlichen Gründen eröffnete er fortan mit Weiss stets 1. g2-g4 - diese Eröffnung trägt nun seinen Namen. Unbestätigte Quellen behaupten, dass er nach der 6. Partie gegen Borg zur Erkenntnis kam, dass der Zug 1. g2-g4 stark ist, insbesondere darum, weil er im Vergleich zu g2-g3 und danach g3-g4 ein entscheidendes Tempo spart.

Auch Borg war nach der 6. Partie nicht mehr der Alte. Er tauschte Holz gegen Holz, weil er auf den Geschmack von Wurzelholz gekommen war, Schachbrett gegen Tennis Racket. Der Rest ist grosse Geschichte. Sein Stern verblasste erst als Holz Rackets nicht mehr den Ansprüchen im Tennis genügten und durch hochgezüchtete industrielle Materialverbindungen ersetzt wurden. Nun im Schach sind wir noch nicht so weit... Holz ist Holz. Gut Holz!

A propos, es gibt um diese berühmte 6. Partie noch verschiedene Verschwörungstheorien die damit zu tun haben, dass Borg Grob ist und Grob Borg - nun ja, vorwärts oder rückwärts gelesen, man kann es sich aussuchen! That's all folks! Kehle trocken, Kehle braucht findigreichen Lagavulin.

Schach ist Mustererkennung!

veröffentlicht um 22.01.2014, 03:35 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 22.01.2014, 03:36 ]

Neulich erhielt ich eine sehr weit gereiste Postkarte. Abgeschickt hatte diese kein minderer als Mr. Spock! Darauf nur eine Schachstellung mit der Aufschrift: Schach ist Mustererkennung! Ich wurde nicht schlau daraus. Was hat das bitteschön mit Logik zu tun? Soll ich etwa wie ein Arzt eine Röntgenaufnahme machen und die Muster erkennen? Doch wie ein Arzt die Feinheiten sofort erkennt obwohl für einen Laien alles gleich aussieht, so muss man sich vorstellen, dass ein grossmeisterliches Auge eine Schachstellung durchblickt.

Die Stellung stammt aus Gavrilakis - Jones, Novi Sad 1990 mit Weiss am Zug


Nachdem ich entnervt über eine halbe Stunde über die Stellung brütete, beherzigte ich den Hinweis von Mr. Spock und machte mich auf die Suche nach Mustern. Zu meinem Leidwesen kostete mich das eine ganze Flasche Lagavulin. Erst nachdem ich diesen genüsslich bis zum letzten Tropfen getrunken hatte, stiess ich auf die Lösung.

Das Muster liefert Robert Fischer, und zwar in der Partie Fischer - Benko, New York 1963 - Weiss am Zug. Eine berühmte Stellung welche in keinem guten Kombinationsbuch fehlen darf!


Fischer zog 1.Tf6!! und der Rest ist genüssliche Geschichte! 1...Kg8 (auf 1..dxc3 folgt 2.e5 und auf 1...Lxf6 folgt wieder 2.e5 - beide Male mit Gewinn). 2.e5 h6 3.Se2! und Schwarz gab auf. 3.Txd6 mit der Idee Df5 folgen zu lassen ist nicht gut, weil dann noch 3...Dxe5 folgen kann. Nach 3.Se2! mit der Idee Txd6 folgen zu lassen kommt 3...Sb5 und erst jetzt 4.Df5! mit Gewinn.

Wir fassen zusammen: Zunächst hemmt eine Figur auf f6 den schwarzen f-Bauern am Ziehen, wonach der Ld3 nachdem e4-e5 gezogen wurde auf h7 schielt. Zusammen mit der Dame auf h5 oder alternativ auf f5 ist es das Ende für den schwarzen König.

Damit ist die Mustererkennung abgeschlossen und wir können die eingangs angeschaute Stellung von Gavrilakis-Jones, Novi Sad 1990 im Nu auflösen - ohne zu Rechnen! Da soll noch einer sagen, dass man fürs Schachspielen rechen können muss! Nein, nur Muster erkennen, das genügt!

Gavrilakis zog 1.Sf6 und drohte Matt auf h7 (man beachte: Der Bauer f7-wird am Ziehen gehindert; wieder mit einer Figur auf f6)1...Lxf6 (da die schwarze Dame angegriffen war gab es keinen anderen Zug). 2.Le4 (okay, der Läufer war noch nicht auf d3 bzw. auf der Diagonalen b1-h7, aber jetzt ist er da. Statt wie Fischer e4-e5 zu ziehen kommer er gleich selber auf die Diagonale). Es folgte noch das belanglose 2...Lf5 3.Lxf5 Dxf5 4.Dxf5 und Schwarz gab auf. 
 
Darum fleissig Kombinationsbücher lesen/lösen und Muster und keine Züge sich einprägen!

Lucy in the Sky with Diamonds - LSD Schach für Geniesser

veröffentlicht um 17.09.2013, 06:57 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 17.09.2013, 07:01 ]

"I'll be back!" mit steirischem Akzent klingt nach einem guten Einstieg für unsere heutige Kolumne - aber nein. Cavalblanca meldet sich bloss aus der Sommerfrische zurück. Beim Titel der Kolumne mag sich so mancher fragen, was er im Urlaub gegessen, getrunken... oder gar geraucht hat?!

Lange ist es her als die "Fab Four" aus Liverpool den Titel "Lucy in the Sky with Diamonds" sangen. Es ist nicht überliefert, ob sie dabei auch Schach spielten. Andererseits liegt bei den vier Pilzköpfen der Verdacht nahe, dass sie entweder berauscht oder aber halluzinogene Substanzen welcher Art auch immer "intus" hatten, als sie dieses Lied komponierten. Interessierte können gerne den Text des Liedes im Internet suchen und das absurde blabla näher untersuchen, obwohl es offenbar kein "bullshit" ist. Auf dem BlaBlaMeter Index (www.blablameter.com) erreicht der Liedtext lediglich einen bullshit Index von 0.03 oder wie die Seite selber darlegt: Your text shows no or marginal indications of 'bullshit'-English. 

Interessant sagt Cavalblanca dazu oder aber "faszinierend" wie Mr. Spock meint.

Aber halt! Eigentlich soll dies eine Schachkolumne sein. Wieso dann diese Einleitung? Cavalblanca, wie so jeder Schachspieler mit viel Praxiserfahrung hat manchmal nämlich den Eindruck, dass gewisse Schachspieler etwas "zugedröhnt" ans Brett sitzen und spielen - vielleicht ist es auch nur ein Spiegelbild unserer Smartphone Ohrstöpselzeit. Offenbar sind Lieder der Fab Four - insbesondere Lucy in the Sky with Diamonds wieder "in". Es liegt auf der Hand, dass es nicht gerade ratsam ist danach Schach zu spielen - warum sonst verlieren danach Schachspieler regelmässig durch unerklärbare Patzerzüge ihre Partie?

Irgendwo wurde auch geschrieben, dass beim Abspielen von altehrwürdigen Schallplatten rückwärts gewisser Gesangsformationen, vorab im Heavy Metal Bereich aber auch im Falle der Jungs aus Liverpool Schachspieler dazu neigen mephistophelische Schachzüge zu spielen. Allerdings war das bisher nur Silizium Hirnen vorbehalten - eventuell ein Forschungsfeld für irgend einen verrückten Professor? Die Spielpraxis zeigt allerdings, dass ein derartiger Spielstil nicht langfristigen Bestand hat. Warum sonst solllten die Mephisto Schachcomputer der Firma Hegener & Glaser seit den 1990er Jahren verschwunden sein?

Zurück zum eigentlichen Thema: Unerklärbare Lucy in the Sky with Diamonds Patzerzüge. Nicht nur heute via Smartphone, auch zu früheren Zeiten fielen viele Hobby Musik Hörer (aber Profi Schachspieler) wie einst Odysseus den Lockungen des sirenischen Hörgenusses Lucy in the Sky with Diamonds zum Opfer. Dazu folgendes Praxisbeispiel aus dem Kandidatenturnier für die Weltmeisterschaft 1956 in Amsterdam zwischen Petrosian und Bronstein.

Im 36. Zug zog Petrosian Se4-g5, worauf Bronstein ganz einfach 36...Sf5xd6 spielte - Petrosian gab auf! Es ist bekannt, dass Petrosian ein Hörgerät trug. Cavalblanca weiss allerdings aus sicherer Quelle, dass es sich dabei um eine frühe und unausgereifte KGB Version eines Funkempfängers für Schachzüge handelt! So ein Gerät (besser gleich mehrere) besitzt heute jeder moderne Schachspieler, der etwas auf sich hält. Damit ist man äusserst erfolgreich aber bei Schachkollegen nicht besonders beliebt. Das ist der übliche Neid, den jeder Superstarke Grossmeister aushalten muss....

Im Falle Petrosians wurden die Züge aus der KGB Zentrale in Moskau übermittelt, die der berühmte Schachautomat des Erfinders Wolfgang von Kempelen ausspuckte. Es war das Pech des Petrosians, dass ein damals noch unbekannter 16-jähriger Funker namens John Lennon auf seinem Funkgerät seinem Freund Paul McCartney das Projekt für eine gemeinsame Band besprach und auch gleich ein Musikstück dafür zur Hand hatte, welches er auch gleich vorsang. Dabei knackte er versehentlich den vermeintlich genialen Funkcode des KGB und Petrosian hörte Musik statt Schachzüge. Das Stück hiess "Lagavulin in the Streets with a Drink" einer frühen Version, des erst Jahre später umgeschriebenen und adaptiertend Songs "Lucy in the Sky with Diamonds". Der Rest ist Musik- und Schach-Geschichte!

Ein weiterer bemerkenswerter Fall ereignete sich zwischen Kortschnoi und Hübner 1980 im Kandidatenfinale zu Meran, 7. Wettkampf Partie. 

Hübner zog 63. Kd4-d5 und Kortschnoi entgegnete 63...Sg4-e3+. Hübner gab auf! Cavalblanca weiss aus sicherer Quelle, dass Robert Hübner sich am Morgen der Partie bei der Hoteldirektion beklagt hatte, dass er im Zimmer nebenan vor dem Einschlafen laute Musik hörte - nur ein Musikstück: Lucy in the Sky with Diamonds von den Beatles. Hübner packte noch am selben Tag seine Koffer und gab den Wettkampf forfait auf!

Gemäss mehreren aber leider nicht bestätigten Quellen soll Hübner sofort in die USA geflogen sein Richtung New York. Bis zum heutigen Tag hält sich das Gerücht, dass Bobby Fischer inkognito im Big Apple weilte und Robert Hübner in Nähe des Dakota Gebäudes gesehen haben will und sich ihm spontan anschloss, als dieser John Lennon besuchen wollte...

Natürlich ist die Aufzählung halluzinogener Patzerzüge à la Lucy in the Sky with Diamonds nicht abschliessend und wahrscheinlich kann jeder Schachspieler, vom Gross- und Weltmeister bis hin zum Amateur, eigene Beispiele beisteuern. Aber die meisten wollen es nicht zugeben jemals mit Beatles Musik in Berührung gekommen zu sein...

Nachdem wir die dunkle Seite gesehen haben ohne gleich einen galaktischen Krieg vom Zaun zu reissen, wollen wir uns der hellen und schachlichen Seite: LSD Schach für Geniesser zuwenden. Bevor wir zur Auflösung des Akronyms kommen wollen wir zunächst die dazu passenden Schachfragmente präsentieren.

Varasdy - Polgar Z., Fonyod, 1983: Schwarz am Zug.

Schwarz am Zug und das Diagramm aus schwarzer Sicht. Nun, wenn man schon den Namen einer der Polgar Schwestern liest ist es wohl klar, dass hier was für die älteste der dreien, Zsuzsa drin sein muss. Heute wollen wir allerdings keine allzu langen Sherlock Holmes Analysen betreiben und in der Kürze liegt die Würze. Weiss hat offenbar irgend etwas auf b4 geschlagen in der Meinung, dass a5xb4 nicht geht. In der Tag hat Weiss hier richtig gerechnet: 1...a5xb4? scheitert an 2. Ta2xa8 mit Vorteil für Weiss. Was soll das Ganze mag man sich darum fragen, zumal Weiss einen Mehrbauern besitzt. Dafür hat Schwarz gewisse Kompensation mit dem Läuferpaar. Allerdings ist zu bezweifeln, ob dies längerfristig ausreicht - positionell gesprochen. Die Kurzversion des Sherlock Holmes lautet. 1. Schachs. Wir stellen fest: Kein Schachs für Schwarz. 2. Schlagzüge und hier haben wir nebst dem besprochenen 1...a5xb4? keine weiteren aufzuzählen. Bleibt 3. der Blick auf die Drohungen gerichtet - das ist immer etwas schwierig und der geübte Schachspieler greift nicht zur Beatles Platte sondern auf Muster zurück. Was könnte hier Schwarz wohl drohen? Etwa 1...Lf6-g5, wieso nicht? Nachdem allerdings die weisse Dame wegzieht oder eventuell 2.f3-f4 folgt, bleibt für Schwarz nicht viel übrig. Andere Drohzüge wollen nicht einfallen, obschon wir da noch den absurden Zug 1...Lf6-c3 haben. Schon oft genug haben wir in dieser Kolumne gelernt nicht gleich alles zu verwerfen. Die weisse Auswahl ist danach beschränkt. Wegziehen verliert nach 2...Lc3xb4 einen glatten Turm. Auf der Hand liegt der natürliche Zug 2. Dd2xc3, womit Weiss eine Figur gewinnt. Sollen wir darum den kecken Läuferzug verwerfen? Weiterrechnen ist eine weitere Tugend unserer Kolumne und siehe da. Nach 1...Lc3!! 2. Dxc3 axb4! 3. Dd2 Txa2 4. Dxa2 Db6 hat sich das Blatt gewendet! Schwarz steht besser dank günstigem Tauschgeschäft. Statt eines Minusbauern hat Frau Polgar die Qualität gegen einen Bauern und Leichtfigur gewonnen. Zsuzsa gewann im Verlauf die Partie. Welch eine Wendung aus einer eigentlich übersichtlichen und harmlosen Stellung! Ein Genuss für die Schachsinne für jeden Gourmand der Schachkünste.

Kärrman - Andersson, Schweden 1983: Schwarz am Zug.

Unser weiterer Schmackerl stammt aus Schweden und leider konnte ich trotz Datenbank nicht herausfinden, ob es sich bei Andersson um Ulf Andersson handelt aber anzunehmen ist es - obschon, Benny Andersson (ja, der von ABBA!!! logo) kann auch Schach spielen... Es ist leider nicht bekannt, ob Ulf Andersson Beatles oder Abba Fan ist. Ich denke aber, dass angesichts dieser Partie er sicher nicht Beatles Fan sein kann - er spielt nämlich keinen Lucy in the Sky with Diamonds Patzerzug. Demnach wäre wohl der Kehrtschluss, dass er Abba Fan ist und Abba Musikstücke zu Glanzzügen verleiten - eventuell genug Material für einen weitere Kolumne. Was wenn jeder Schachspieler statt Lucy in the Sky with Diamonds das berühmte Abba Stück The Winner takes it all hören würde? Irgendwo kann das nicht sein, weil nicht zwei Schachspieler gleichzeitig einen ganzen Punkt pro Partie einheimsen können... Wohlan, die Suche nach Kandidatenzügen kann beginnen: 1. Schachs, 2. Schlagzüge und letztlich Drohungen. Als Gedankenstütze für die Stellung können folgende Punkte aufgeführt werden: Weiss hat Bauern mehr aber, passiven Tb1, Lf3+Kg2 wirken gekünstelt, Schwarz hat sehr aktiven Sc4, der seine Tentakel wie ein Tintenfisch übers ganze Brett ausstreckt, Lb7+Lc7 wirken wie scharfe Speere auf die weisse Königsstellung, Dg5 aktiv und Th8 auch aktiv (dank oder wegen Minusbauern). Zu 1. den Schachs: Txh2+, Dxg3+ und last but not least, Se3+. 2. Schlagzüge: Txh2+ und Dxg3+ bereits aufgezählt, dann Lxg3, Lxe4, Sxa3, Sxb2. Schliesslich zu den Drohungen: Dh6, sonst fallen mir keine offensichtlichen Drohungen auf. Zur Auswertung: Dh6 kann leicht pariert werden mit z.B. h2-h4 oder auch passiv mit Tf1-h1 - sieht alles nicht gerade schön aus, aber ein sofortiger Gewinnweg für Schwarz ist nicht zu sehen. Schnell können wir auch Sxb2, Sxa3 verwerfen. Weiss schlägt einfach zurück - behält eine Mehrfigur und es ist danach keine Fortsetzung für Schwarz zu sehen. Gleiches gilt für Lxe4. Nach Lxg3 muss Weiss natürlich mit h2xg3 zurückschlagen, denn f2xg3 geht nicht an wegen der Springergabel Sc4-e3+ mit Damengewinn. Einen Aussichtsreichen Kandidatenzug haben wir bis anhin nicht gefunden und vielleicht muss Schwarz mit dem einfachen Th8-h7 vorlieb nehmen mit der Absicht die Türme auf der h-Linie zu verdoppeln. Aber noch sind wir nicht dort angekommen. Die Schachgebote sind noch zu prüfen. Dg5xg3+ hilft nicht weiter, denn Weiss schlägt einfach mit h2xg3 zurück - keine Fortsetzung für Schwarz in Aussicht. Mit Th8xh2+ ist auch kein Lorbeerkranz zu gewinnen. Nach Kg2xh2 und Schachgebot durch Schwarz auf der h-Linie mit Dame oder Turm stellt Weiss selber einen Turm auf die h-Linie hin. Damit wären wir beim letzten zu prüfenden Zug, nämlich 1...Sc4-e3+. Weiss muss zurückschlagen, sonst verliert er die Dame. Also 1...Sc4-e3+ 2.f2xe3 und nun kann Th8xh2+ folgen. Weiss hat nur zwei Möglichkeiten A 3.Kg2-g1 was nach 3...Dg5xg3+ 4.Lf3-g2 Dg3xg2# zu Matt führt. Die andere Möglichkeit ist für Weiss nicht wirklich besser B 3.Kg2xh2 Dg5xg3+ 4.Kh2-h1 und Dg3-h2#. Unglaublich, die ganze Deckung bestehend aus f2-g3-h2 wurde hinweggefegt und der weisse Monarch wurde zur Strecke gebracht. Bemerkenswert schön! Wenn einem etwas Gutes widerfährt, dass ist ein Asbach-Uralt wert - Schluck und weg!

Etwas angeheitert durch den Weinbrand können wir uns dem letzten Beispiel zuwenden.

Adgestein - Wells, Gausdal 1983: Schwarz am Zug (zur Abwechslung aus weisser Sicht).

Dies ist nach der üppigen Mahlzeit zuvor nur noch die Nachspeise. Was ist hier zu sagen? Oder wo spielt die Musik? Etwas aus der Ferne glauben wir Lucy in the Sky with Diamonds zu hören aber vielleicht ist das auch nur ein Echo vergangener Stellungen. Es folgt keine Berieselung mit Beatles Musik mehr. Also, schaut man einfach so hin, glaubt man in der Stellung sei nicht viel los. Es fällt die unübliche Stellung Kf1 auf - hat der was getrunken? Ansonsten schein alles im normalen Bereich zu liegen. Sh5 und Lh6 sind allerdings speziell und Tc8 und Te8 sind aktiver als ihre Gegenparts. Besondere Drohzüge für Schwarz kann ich nicht ausmachen. Als Schlagzüge haben wir Te8xe2 und Sh5xg3+ im Angebot. Allerdings fehlt es beiden Zügen an den zwingenden Fortsetzungen. Zwar steht Kf1 nach 1...Sh5xg3+ 2.f2xg3 etwas luftig da, doch an ein Rankommen ist nicht zu denken. Was die Schachgebote betrifft, so liegt ledigtlich die Möglichkeit 1...Db6xf2+ vor - Achtung verliert die Dame! Trotzdem soll weitergerechnet werden - das haben wir hoffentlich in der Zwischenzeit gelernt! Okay, 1...Db6xf2+ es muss folgen 2.Kf1xf2 und jetzt erhaschen wir Lh6-e3+ wonach nur 3.Kf2-f1 bleibt (da stand er auch schon). Indes, es folgt 3...Sh5xg3# und wir geniessen die Geometrie des Schachbretts mit allen Sinnen!

Das war es nun - LSD Schach für Geniesser oder anders gesagt Läufer-Springer-Dame Schach für Geniesser (ich sehe schon einen Leserbrief von Malaga Turm mit Beschwerden er sei vernachlässigt worden - nächstes Mal lieber Malaga Turm, nächstes Mal!).
Nicht vergessen: Immer die Ohren schön steif halten und zwischendurch mit gutem Sound auftanken!

Vom Saulus zum Paulus - Bonusfeature "cavallino rampante"

veröffentlicht um 12.06.2013, 03:11 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 12.06.2013, 03:15 ]










































































Neulich erhielt Cavalblanca eine Postkarte aus Spanien mit zwei Kombinationen von einem guten alten Bekannten - mehr sei noch nicht verraten! Der Bekannte hatte Besserung gelobigt; wahrlich, als Cavalblanca stilbruchmässig statt zum Lagavulin(Alkoholgehalt 43%) zu Leffe Blond (Alkoholgehalt 6.6% - immerhin, das ist für ein blondes Bier stattlich!) Griff - Gruss an Egeltschuk oder ähnlich! - stellte er beim Durchrechnen der zwei Stellungsbilder fest, dass der gute Bekannte Wort gehalten hatte, und wie!

Wir befinden und in Polen, und zwar Weiss am Zug in Melkumyan-Balogh, 14th Euro Indiv 2013 Legnica POL (sag mal einer, gerade polnisch tönen die Spielernamen nicht wirklich) und nehmen die Stellung, mit Weiss am Zug, auf. Weiss hat einen Bauern eingebüsst. Als Kompensation dafür präsentiert Weiss seine Version des trojanischen Pferdes auf d5! Etwas eigenwillig steht der Tf2 und der weisse König steht recht gut geschützt, obwohl der Aufzug des Bauern f2 auf f4 dies nicht verstärkt. Vielleicht hat Weiss gar mit 1.f4 - Bird - eröffnet?!  Die weisse Dame auf c3 steht aktiv und bewirtschaftet die schwarzen Felder erfolgreich, da Schwarz keinen entsprechenden Läufer entgegenzusetzen vermag.
Schwarz hat einen Mehrbauern, indes ist die schwarze Dame auf Abwegen und die zwei schwarzen Springer, insbesondere Sd7, stehen passiv. Das Fehlen des schwarzfeldrigen Läufers ist hier unangenehm, obwohl der Schwarze König doch recht gut hinter seinen Bauern verschanzt steht.
Die Wunschzüge von Weis sind 1.Sf6+ und 1.Se7+. Ohne Sc6 wäre das gleichzeitig Matt! Bereits denken wir darüber nach, wie Sc6 oder Sd7 eliminiert oder abgelenkt werden könnten, damit das trojanische Pferd mit Gewinn nach entweder e7 oder f6 auslaufen kann.
Doch gemach, alles der Reihe nach! Beginnen wir demnach mit den Schachgeboten. Da gibt es die eingangs erwähnten 1.Se7+ und 1.Sf6+ welche auf unseren Wunschzettel stehen aber wegen Sc6 und Sd7 nicht spielbar sind - oder etwa doch?! Hmm ich sehe nichts spezielles danach. 1.Se7+ verliert gar eine Figur und 1.Sf6+ Sxf6 2.Dxf6 ist zwar nett aber nicht mehr als das. Vielleicht lassen sich Sc6 und/oder Sd7 ablenken? Wollen wir das mal gedanklich festhalten. Ja und dann ist noch 1.Dg7+ und 1.Dh8+ ebenfalls mit Schachgebot. Doch,  nachdem der König die Dame schlägt sehe ich keine brauchbare Fortsetzung. 
Nach einem kühlen und beruhigenden Schluck Leffe geht es mit den Schlagmöglichkeiten weiter. Davon gibt es nicht gerade viele - und wir werden wohl kaum Überstunden aufschreiben können - und als erste kann 1.Lxg6 getestet werden. Gibt es etwa nach 1...hxg6 eine gute Fortsetzung?! Nein, das Bild hat sich kaum geändert. Damenopfer auf c6 mit 1.Dxc6 etwa? Danach könnte der Springer auf e7 Schach geben, doch nach 1...bxc6 endet der Ausflug mit Gewitter und Hagel nach 2.Se7+ Kg7 und es gibt keine Fortsetzung.
Damit sind wir bei den Drohungen angelangt. Ich sehe 1.f5 was aber nicht gerade furchteinflößend ist und das Feld e5 aufgibt - nicht gerade das Prädikat: Ein interessanter Zug. Dann haben wir noch 1.Ta1 - er winkt uns freundlich zu, ist das wirklich auch ein weisser Turm? Na klar, zwar etwas braungebrannt aber doch noch weiss. Es ist der vormals faule Malaga Turm, der offenbar sich in Szene setzen will. Er greift die Dame an. Diese hat nur das Feld b5 und einen kecken Gegenangriff auf die weisse Dame als Gegendrohung gibt es nicht. Nun gut 1...Db5. Sehen wir da eine brauchbare Fortsetzung? Malaga hat Muckis zugelegt und außerdem haben wir noch immer den "cavallino rampante" auf d5 - eigentlich heisst der Ferrari und ziert als Emblem von Hause aus rote Motorhauben. Traumziel ist immer noch e7 oder f6. Hmmmm, Idee! 1.Ta1 Malaga zum ersten 1...Db5 und nun 2.Ta5 Malaga zum zweiten! Die Dame hat keine Rückzugsfelder und will nicht selber um sich schlagen, da dann zu viel Material verloren geht. Doch auch der Sc6 ist nicht gerade erfreut die Schlagarbeit der schwarzen Dame zu übernehmen, denn 2...Sxa5 scheitert nun wirklich und kläglich an den ferrarischnellen Zug 3.Se7#. Malaga Saulus zu Malaga Paulus sei Dank!

Also 1.Ta1! Db5 2.Ta5! +- Sxa5 3.Se7#

Und weil es so schön war legt Malaga Paulus gleich noch ein paar Liegestüzten nach. Aus Cavalblancas Sicht eine klassische Kombination (siehe 2. Diagramm), welche er schon oft gesehen hat. Ein Malaga Paulus Turm opfert sich auf f7 oder h7 um danach der Dame das Eingreifen auf h7 (nach Turmopfer auf f7) oder f7 (nach Turmopfer auf h7) zu ermöglichen. Man sehe:Willemsma-Sergeev, 31. Liechtenstein Open, 2013 - Weiss am Zug.

Die Lösung fällt dank energischen Malaga Paulus Angriff wie folgt aus: 1.Th7+! Kg8 2.Dxf7# oder das klassische 1.Th7+! Kxh7 2.Dxf7+ Kh6 3.Th1+ (Der Clou, der Malaga Zwilling greift ein!) Lh4 4.Txh4#

Nach diesen zwei Kombinationsfeuerwerken mit Malaga Turm Muckis schmollt indes der "cavallino rampante", denn er war der Meinung, dass es seine Show war und nicht diejenige von Malaga Paulus. Etwas gar zart besaitet der kleine -  nun ja, Sportwagen rampantes sind mit den Handschuhen anzufasssen... Wie dem auch sei. Damit auch der cavallino rampante sein Stück Ruhm abschneiden kann, sei an dieser Stelle noch eine weitere genial stechende Kombination nachgereicht, welche mit freundlicher Genehmigung aus dem Kombinationsfundus des Herzogs von Aquitanien stammt - ein alter Bekannter Cavalblancas.

Weiss am Zug zauberte in Wang Jue-Bhakti, Asian Continental 2013 in Manila. Die Schachgebote 1.Df7+ und 1.Dxf8+ Dxf8 2.Txf8+ Kxf8 3.hxg7+ Kxg7 führen nicht zum gewünschten Ziel. 1.Df7+ hat keine Fortsetzung und verliert währenddessen 1.Dxf8+ usw. zu einem Endspiel führt, dass alles andere als offensichtlich gewonnen ist. Die Schlagvarianten1.Sxc6 und 1.hxg7 Dxg7 sind aus weisser Sicht auch nicht gerade verheissungsvoll. Damit verbleiben die Drohungen. Der Se5 ist nebst der Dame, Turm Batterie auf der f-Linie, der ganze Stolz der weissen Stellung. Wie gesehen verfehlt die Dame, Turm Batterie mit 1.Dxf8+ usw ihre Wirkung, doch wir haben noch den"cavallino rampante", der jetzt endlich zeigen will, dass auch er mit den Fähigkeiten eines Malaga Turms mithalten kann. Es überrascht darum nicht, dass der Schlüsselzug 1.Sg6!! ist!!

Lösung: 1.Sg6!! hxg6 2.Dxf8+ Dxf8 3.Txf8+ Kxf8 4.h7 - der Bauersmann läuft dank cavallino rampante durch zumTouchdown!!. Falls 1.Sg6!! Txf4 2.Sxe7+ Kf7 3.Txf4+ Kxe7 4.hxg7 mit Gewinn für Weiss.

Zum Schluss noch eine Leserumfrage: Wo kann man in Zürich guten Glendronach kaufen?!

Out of the blue

veröffentlicht um 02.05.2013, 03:25 von Admin Nimzowitsch


Es gibt doch immer wieder Kombinationen, welche scheinbar aus dem Nichts auftauchen... Out of the blue sozusagen. Nehmen wir beispielsweise die Diagrammstellung aus Hardicsay – Adorjan, Ungarn 1972, Schwarz am Zug. Scheinbar wenig los, doch der Schein trügt und der wahre Held der Stellung hält sich noch vornehm zurück! Gehen wir über zur Spurensuche!

 

Tatort/Stellung aufnehmen: Eine Sägezahnstellung nachNimzowitsch, der Bauer d4 steht den Bauern c6 und e6 gegenüber. Auffällig ist, dass Weiss noch nicht rochiert hat – und dies nur, weil der La6 mit einem Flammenwerfer von a6 bis f1 es verunmöglicht. Gut, die Lb2, Dc3 Batterie ist auch auffällig aber mehr als die Nicht-Rochade und Damen Läufer Batterie fällt nicht auf.

 

Die Analyse geht weiter mit den Schachs und ist auch gleich rasch abgeschlossen. Einzig 1…Dc7-g3+ ist in diesem Sinne möglich – wäre da nicht der Bauer auf h2, wäre dies gar Matt! So aber ist nach 1…Dc7-g3+ 2. h2xg3 die Partie mit einem Weisssieg bald zu Ende.

 

Der analytische Vorgang geht weiter mit den Schlagmöglichkeiten. Abermals kann die schwarze Dame auf der Diagonalen b7-h2 tätig werden und mit 1…Dc7xh2 losschlagen. Danach ist allerdings nichts mehr los – ich sehe keine Fortsetzung dazu. Okay, bleibt lediglich noch 1…Sf6xe4 zu prüfen. Wie kann Weiss darauf antworten? Die Weisse Dame ziehen verliert einen Bauern und wohl auch bei miserabler Stellung die Partie. Den Se4 kann Weiss indes auf 2 verschiedene Möglichkeiten schlagen. Zunächst 2 f3xe4 und jetzt die Stellung visualisieren. Aha! 2…Le7-h4+ ist brandgefährlich, kann aber bequem mit 3. g2-g3 abgewendet werden. Auch nach 1…Sf6xe4 2. Sd2xe4 ist nichts mehr los. Ich erkenne für Schwarz keine Fortsetzung.

 

Demnach kommen wir nun zu den DrohungenHmmmm, fast zu ruhig diese Stellung, um was sinnvolles zu drohen. Vielleicht 1…b6-b5 (positionell ein Blödsinn, der La6 wird eingesperrt und Weiss könnte jetzt oder eventuell später rochieren) was immerhin den La4 angreift. La4 kann aber mit aber sich auf b3 oder c2 ziemlich flink zurückziehen und es verbleibt dann nur noch der miese La6, der seinen eigenen Bauern anstarrt. Es bedarf eines geschulten Blicks, bzw. darf man sich von allgemein gültigen Grundsätzen nicht zurückbinden lassen, um 1…Sf6-d5 zu ziehen. Klar, dies stellt vorderhand den Springer ein – doch unsere Methode hat durchaus Sinn oder Unsinn??? Ähm, ich meine – selbst sinnlose Züge müssen im Schach geprüft werden, dies ist wirklich wichtig, um sich zu verbessern! Okay, wollen wir kurz 1…Sf6-d5 anrechnen. Der Rappe greift immer hin die Weisse Dame an. Nun kann Weiss schlagen oder wegziehen. Gerade sinnvolle Wegzüge für die Dame gibt es nicht unbedingt, denn nach z. B. 2. Dc3-c1 ist Sd5-e3 bereits unangenehm. Doch nicht zu schnell und zu weit rechnen! Nach 2. Dc3-c1 können wir nämlich auf zwei bereits angerechnete Ideen zurückgreifen… Gesehen?! 2…Le7-h4+ ist wahrlich ein Hammerzug! Der eingesperrte Weisse König (wir danken dem La6) kann nicht fliehen. 3.g2-g3 ist der einzige Ausweg und nun folg ganz famos! 3…D/Lxg3+ und nach 4. h2xg3 entscheidet 4…L/Dxg3# - wirklich schön! Zu schön, um wahr zu sein?! Von vorne; 1…Sf6-d5 und nun statt 2. Dc3-c1, was wie gesehen verliert, muss 2. e4xd5 folgen. Okay, dann visualisieren wir das Ganze. Na sag mal!!! Das ändert ja überhaupt nichts 2…Le7-h4+ bleibt ein Hammerzug! Abermals hat der Ke1 das Nachsehen – er kann nicht ziehen und muss zu 3. g2-g3 zurückgreifen mit der bereits bekannten nachteiligen Folge, dass 3…L/Dxg3+ folgt und nach 4. h2xg3 das Kreuzfeuer 4…L/Dxg3# zum Matt führt!

 

Ich finde schon, dass diese Kombination aus dem Nichts kommt. Wie von Geisterhand, steht plötzlich der heldenhafte Le7 auf h4 und gibt Schach, wonach es kein Entrinnen mehr gibt.

 

Schlusswort: 1…Sd5! 2 exd5 Lh4+ 3 g3 L/Dxg3+ 4 hxg3 und nun D/Lxg3#

 

Hmm heute war das aber schon etwas zu trocken. Flasche Lagavulinwar leer, kein Wunder - Trappatoni Ehrenwort!

Remember Petrosian!

veröffentlicht um 09.04.2013, 03:15 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 21.04.2013, 07:19 ]





Neulich sass Cavalblanca im Zugabteil zurück vom Burdorfer Turnier und sah gelangweilt aus dem Fenster. Es wollte ihm nämlich nicht gelingen die Kombination mit Weiss am Zug; Popov-Buljovcsics, Jugoslawien, 1966 zu lösen. 
Sein Gefühl sagte ihm: Da muss was sein! Ebenso sein Wissen/Mustererkennung (das habe ich doch schon irgendwo gesehen!). Indes mangelte es ihm an der nötigen Konzentration. Was hat mir Sherlock Holmes schon wieder eingetrichtert?! Ah, Tatort untersuchen, Schach, Schlagen, Drohungen und am Schluss Kandidaten ziehen (Kontrollrechnung nicht vergessen!).

Bei der Tatortbesichtigung fällt auf, dass die Materialverteilung aus dem Gleichgewicht ist. Weiss besitzt Turm und zwei Bauern gegen zwei schwarze Figuren. Der hässliche weisse Doppelbauer ist zwar eine statische Schwäche, doch in einer solch angespannten Situation fällt das nicht ins Gewicht und es zählt die Dynamik. Betreffend Dynamik ist unverkennbar, dass der rustikale Haudegen auf f7 nur schwer zu bremsen war und die Mistgabel gegen seine schwarze Majestät ausstreckt. Kf8 steht ziemlich unbequem und und trägt eine Kleidergrösse zu wenig – kein Feld ist zugänglich, ausser f7 und den Bauern zu schlagen ist brandgefährlich, öffnet es doch die Angriffslinien für die weissen Türme. Auch Kh1 steht hat Tür und Fenster offen und geniesst die Frischluft. Oft entscheidet bei solch offenen Königsstellungen, wer am Zuge ist. Ta1 hat ein wenig die Malaga Krankheit und sitzt faul und untätig auf a1 herum. Es sieht so aus, als ob die schwarzen Figuren insgesamt aktiver sind zumal Lg7 die weisse Dame auf h6 angreift…

Schachs! Ich sehe Dh8+, Dxg7+ sowie Te8+. Weitere Züge?! Schlagen, okay: Dxg7 abermals und Dxc6 mehr gibt es nicht. Dann sind noch die Drohungen zu beachten. Eigentlich droht Schwarz gleich die weisse Dame auf h6 zu schlagen. Hmmmm, keine Zeit, um zum Beispiel mit 1.Te4 den Sc4 anzugreifen, oder etwa doch? Nein, ich sehe nach 1.Te4 Lxh6 keine wirklich überzeugende Fortsetzung. Ohne Bauer auf f7 würden zig Turmschachs drohen, aber eben. Der rustikale Haudegen steht ihm Weg. Ihn zur Dame zu küren wäre natürlich ganz fein!

Zurück zu den möglichen Kandidaten. Wir haben 1.Dxc6, 1.Dxg7+, 1.Dh8+ und 1.Te8+. 1.Dxc6 ist offensichtlich schlecht, denn nach 1…Dxc6+ gibt es keine Fortsetzung. Ebenso führt 1.Dh8+ ins Leere – keine Fortsetzung. Interessant ist da schon 1.Dxg7+ muss Schwarz doch mit 1…Kxg7 antworten, wonach schon mal 2.f8D+ möglich wird! Hmmm, es kann allerdings danach 2…Txf8 oder Kxf8 folgen und wieder keine Fortsetzung! Schauen wir noch 1.Te8+ an.  Danach gibt es zwei Möglichkeiten, und zwar 1…Txe8 und 1…Kxf7 – letztere scheidet sofort aus wegen 2.De6# - hübsch, aber nicht erzwungen! Von vorne: 1.Te8+ und nun 1…Txe8. Was haben wir hier? 2.f7xe8D+ und 2…Kxe8 wonach Weiss zwar jede Menge Schachs hat, doch der König kann sich verschanzen. Hmmmm… Die Lautsprecheransage unterbricht Cavalblancas Gedanken. Wir treffen in HB Zürich ein, Endbahnhof.

Cavalblanca steigt aus, kann aber die Stellung nicht vergessen und macht darum vom Hauptbahnhof einen Umweg zu Sherlock Holmes. Er klingelt an dessen Haustür an der Bäckerstrasse 221b. Sherlock ist zu Hause und begrüsst Cavalblanca, doch bevor Cavalblanca sein Anliegen äussern kann, hat der gute Sherlock bereits zwei Gläser Lagavulin gefüllt und ab geht die Post! Endlich kann Cavalblanca Sherlock die Stellung Popov-Buljovcsics zeigen. Sherlock nippt am Lagavulin und meint dann lapidar: Remember Petrosian!!! Was meint er wohl damit?! Ein paar Whiskey Gläser später und mit Brummkopf schlägt Cavalblanca z u Hause angekommen verschiedene Tigran Bücher auf und es folgt das grosse AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHAAAAAAAAAAA AAAA! Petrosian – Spassky, Moskau 1966 (Weiss am Zug) und Petrosian – Simagin, Moskau 1956 (Weiss am Zug) liefern den Steilpass! – Die Idee /Muster sollte klar sein?! Bitte selber knobeln! 

Visualisieren wir nochmals 1.Te8+ Txe8 und nun! 2.Dxg7! Ich bin der Anton aus Tirol! Kxg7 (2…Ke7 3.f8D+ Weiss steht auf Gewinn) 3.f7xe8S! nebst 4.Sxc7 und 
Weiss steht auf Gewinn! Gut gebrüllt Petrosian!

Sonnenbrand für einen Turm in Malaga

veröffentlicht um 09.04.2013, 03:14 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 09.04.2013, 03:20 ]


Nach einem anstrengenden Tag, lässt Cavalblanca sich in den Relax-Sessel saussen und nimmt zur Entspannung eine kleine Hirn-Massage vor. Er schlägt sein Taktik-Buch auf und sieht die Stellung von Czerniak – Zaharowski, Tel Aviv 1963 (Tatort). Schwarz am Zug.
Das ist Motivation genug das Sherlock Holmes Rezept (Tatort, Schachs, Schlagzüge, Drohungen, Kandidat) anzuwenden. PS: Dr. Watson hat heute ein Lagavulin Verbot gesprochen! Wen wunderts, schliesslich ist keine Dame mehr auf dem Brett.

Tatort hatten wir bereits. Somit können wir gleich zur Spurensicherung schreiten. Gleich viele Bauern aha und Weiss besitzt gar eine Qualität mehr. Se5 steht sehr gut im Zentrum. Ta1 spielt noch nicht richtig mit – er weilt noch in Malaga und bräunt sich unter der Sonne. Schwarz besitzt das Läuferpaar und der König steht (noch) in der Mitte. Allerdings sehe ich hier keine unmittelbaren Gefahren auf ihn zukommen. Ganz schön bitter: Eine ganze Minusqualität! Immerhin hat Schwarz noch einen Trumpf Buur d3 im Ärmel. Dieser prägt ganz entscheidend die Stellung, droht aber demnächst verloren zu gehen.  Demnach muss man vielleicht 1…Lf5 spielen oder eventuell 1…c4 oder 1…d2…hmmm. Stop!!! Zu schnell und zu impulsiv gerechnet! Schön mal der Reihe nach. Zunächst das Glas… huch, heute darf  ich - Dr. Watson sei Dank-  nicht :-(   

Schachs: Es gibt keine Schachs für Schwarz.

Schlagzüge: Es gilt lediglich 1…Lxe5 zu beachten. Dies deckt indirekt den Buur d3, da Se5 das Brett verlässt. Danach sehe ich folgende zwei Züge für Weiss, und zwar 2. fxe5 und 2. Te1. 2. Te1 ist nicht schlecht, bringt doch den Malaga Urlauber ins Spiel und gewinnt die Figur zurück. Auf 2…d2 folgt 3. Txe5+ Kf7 nebst 4. Td5 wonach auch der Buur d2 fällt und Weiss den Sieg nach Hause fährt! Doch Stop!!! Dies war gar schnell und weit gerechnet… Es folgt eine weitere RegelKontrollrechnung nicht vergessen!

Wir rechnen nochmals durch. 1…Lxe5 2. Te1 d2 3 Txe5+ und nun Kf7 liegt schliesslich auf der Hand! Ein Jammer um den Trumpf Buur d2, der gleich verloren geht. Hmmm, was ist eigentlich mit dem Berserker Zug 3…Le6, damit wird Te5 das Feld d5 streitig gemacht und d2 läuft durch. Demnach muss Zug 4. Txe6+ folgen – Weiss besitzt einen ganzen Malaga Turm mehr! Und jetzt nicht den Fehler machen und abbrechen, denn obwohl wir noch nichts getrunken haben gilt nämlich: Trink die Variante zu Ende! 4…Kd7 oh je, oh je, oh je. Malaga ist angegriffen, Trumpf Buur d2 droht zu stechen und kann von Te6 nicht aufgehalten werden – Gewinn für Schwarz!

Dann mal von vorne. 1…Lxe5 und nun taugt wie bewiesen 2. Te1 nichts, darum 2. fxe5. Vielleicht 2 …d2, nein, denn es folgt 3. Td1 und Trumpf Buur fällt. Ta1 ist wirklich ein unangenehmer Zeitgenosse, hängt faul rum in Malaga und sonnt sich! Der bewegt sich nur, wenn es Trumpf Buur als Futter gibt! Evenutell hilft aber 2…c4, um d3 zu decken. Ist nicht schlecht, oder? Danach kann Schwarz  sicher noch kämpfen aber einen Platz an der Sonne gibt’s für ihn nicht. A propos Sonne, letztes Jahr im Urlaub hatten viele Hotelgäste am Pool die Unsitte mit ihrem Badetuch die Sonnenliege am Mittag zu reservieren… mir kommt da eine Idee! Wie wäre es denn, wenn wir uns das Feld d1 reservieren würden?! Ja! 2…Lg4 wie ein Blitz aus heiterem Himmel und Malaga Ta1 bekommt einen Sonnenbrand. Weder Malaga Ta1 noch Kg1 können etwas gegen Trumpf Buur d3-d2-d1D ausrichten! Yippie-ya-yeah Schweinebacke! Schön nicht wahr? Nicht so schnell, nicht so schnell… Die Kontrollrechnung nicht vergessen! 

Von vorn: 1...Lxe5 und nun ist nach 2 fxe5 guter Rat wegen 2…Lg4 teuer! Konklusion 2. fxe5 taugt nichts! Weiss hat wegen Trumpf Buur d3 Probleme und verliert! Dann muss das Übel an der Wurzel gepackt werden! Dazu gibt es nur das radikale 2. Td1 – ja, ganz recht! Alles andere verliert sowieso. Sehen wir weiter. Falls 2…c4, dann 3. fxe5 ist ganz okay für Weiss (und besser). 2…Lf6 der natürliche Zug gewinnt eine Figur wobei wir nach 3 Txd2 zwei Läufer gegen Malaga Turm (und Doppelmehrbauern) haben. Weiss macht keine Freudensprünge, doch etwas besseres gibt es nicht. Die Stellung ist danach nicht verloren, doch muss Weiss sich ins Zeug legen, um Remis zu erreichen – was Wunder mit einem Sonnenbrand!

Drohungen: 1…Lg4, um den Trumpf Buur d3 in Bewegung zu setzen geht wegen 2. Sxg4 nicht.

Kandidat spielen: 1…Lxe5 2. fxe5 (2. Td1 noch das Beste Lf6 3. Txd3 Schwarz steht besser und Weiss kämpft ums Remis) Lg4 3 Kf2 d2 4 Ke3 d1D 5. Txd1 Lxd1 Schwarz steht auf Gewinn.

Lagavulins Steilpass

veröffentlicht um 09.04.2013, 03:14 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 09.04.2013, 03:18 ]


Zu Hause angekommen geht Cavalblanca sogleich ans Werk und pafft an seiner Cohiba während er sich Lagavulin ins Glas füllt. Er greift dabei zur Schachzeitschrift, schlägt auf und will sogleich den lupenreinen Steilpass, den Lagavulin Sherlock Holmes am Vorabend zugespielt hat, selber spielen…

TatortO’Kelly – Ramirez, Malaga 1963, Weiss am Zug. Die Beweisaufnahme lautet. Schwarzer König in der Mitte, Emmentaler Stellung rund um den schwarzen Monarchen wobei er kein einziges Feld betreten darf (sein Hemdkragen ist eine Nummer zu klein!), dafür aber ein gewaltiges Streitross auf d4! Die weisse Königsstellung ist ebenso luftdurchströmt, allerdings gleicht sie keinem Schweizer Käse. Die Dame auf h6 ist aktiv postiert, ebenso der Rappe auf g5. Die Turmlinie ist für Th1 offen. Der schwarze König steht unsicher, der weisse etwas luftig. Zum Trost besitzt Schwarz zwei Mehrbauern.

Hmmm, vielleicht den starken Sd4 mit Txd4 rausschlagen? Moment, nur nichts überstürzen und gemäss dem Sherlock Rezept vorgehen: Tatort, Schachs, Schlagen, Drohungen, Kandidat. Tatort ist erledigt. Darum folgt als erster Punkt Schachs!

Schachs: Das ist einfach, denn es gibt bloss 1. Df8+ und 1. Dxg6+. Mal schauen, wohin das führt. Nach 1. Df8+ und Kxf8 sehe ich keine Fortsetzung, selbst unter dem Mikroskop nicht. Prüfen wir demnach 1. Dxg6+ (ein Lagavulin Zug!) – Damenopfer. Nun Schwarz muss mit 1…hxg6 schlagen, da er sonst auf f7 mattgesetzt wird. Okay, 1…fxg6 und nun? Ah, ich sehe 2. Th8+ (Trink die Variante zu Ende!) und Schwarz kann nur  noch mit 2…Sg8 zurückgaloppieren wonach sich 3 Txg8 Matt! anbietet! Schlagvarianten und Drohungen sind demnach nicht mehr nötig, cheers!!! Und runter mit dem Lagavulin. Nebenbei bemerkt: Abermals schickten drei oder mehr Figuren den schutzlosen Regenten ins Meer! (Regel)

Es mag  nun der Eindruck entstehen, dass das Lösen von Taktikaufgaben sich nur auf die Schachs beschränkt. Wir werden allerdings noch genug Möglichkeiten haben die ganze Rezeptur durchzugehen bis zu den Drohungen, bevor wir den Kandidaten spielen können…Hicup!: Vorausgesetzt Flaschenlager nicht leer!

Kandidat spielen: 1. Dxg6+ hxg6 (1…Kf8 2. Df7#) 2. Th8+ Sg8 3 Txg8#

Die Taktik Lupe des Sherlock Holmes

veröffentlicht um 09.04.2013, 03:12 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 09.04.2013, 03:19 ]


Willkommen liebe Taktikfreunde!

Immer wieder staunt Cavalblanca, wenn er - ratsuchend - seinem Freund Sherlock Holmes seine "unlösbaren" Taktikaufgaben präsentiert ob dessen logischer Herangehensweise, die stets von Erfolg gekrönt ist.

Sherlock hat es sich seinerseits nicht nehmen lassen dem guten (okay, nicht gut beim Lösen von Taktikaufgaben!) Cavalblanca ein Rezept mit auf den Weg zu geben, damit ihn dieser nicht ständig zu Hause aufsucht und ihn so vom Genuss eines grosszügigen Schlucks Lagavulin abhält...

Nun wohl, dies ist das Rezept:

1. Den Tatort untersuchen!
2. Alle Schachs überprüfen!
3. Alle Schlagzüge prüfen!
4. Drohungen prüfen!
5. Kandidat ziehen!

Schreiten wir zum Tatort: 
Cabarkapa-(Nein, es ist wirklich nicht Cavalblanca! Cabarkapa gibts tatsächlich)-Muskardin, Bosnjaci Open, 2013 mit Weiss am Zug, 19 Zug.

Sherlock hälft fest: Schwarz ist unterentwickelt und spielt ohne Unterstügzung von Ta8, Lc8. Td8 und Lf8 fehlt es an Luft. Bloss die schwarze Dame ist aktiv postiert und Se7 schaut verdutzt aus der Rind-Lasagne Kühltruhe dem Geschehen zu. Drei (zählt man Tf1 dazu dann vier) weisse Figuren, nämlich Ld3, Sf6 und Dh3 wollen Kg7 meucheln! Weiss steht demnach viel besser, wenn nicht gar auf Gewinn. Dr. John Watson meldet sich zu Wort und will, dass wir folgende Regel festhalten: Drei Figuren und mehr schicken den schutzlosen Regenten ins Meer!

Schachs:
19. Se8+ bringt nach Txe8 nichts. Sherlock sieht danach keine weiteren Drohungen. Gleiches gilt für 19. Sh5+. Bleibt noch 19. Dxh6+ (wie bitte?! Die ganze Dame hergeben?!) Wahrscheinlich ein dem Lagavulin geschuldeter Zug! Zähneknirsched prüfen wir den Zug - Rezept ist schliesslich Rezept! Ne, ne was für ein Schwachsinn hallt es im Internet! Doch halt!!! Das Geheimrezept lautet: Trink die Variante zu Ende! Wie oft schon wurde eine halbvolle Flasche in die Bar zurückgestellt?! RegelTrink die Flasche zu Ende und spiele die Züge, selbst wenn es bitter schmeckt - die Dame ist schliesslich weg! Gut...

19...Kxh6 wie weiter? 20. g5+ hmm, nein - es gibt keine Fortsetzung. Bleibt noch der letzte Versuch mittels 20. Th3 mit der Idee auf h3 Schach zu geben. Schau, schau, das droht gar Matt! Cavalblanca zieht an seiner Cohiba und hustet, hustet, hustet... Mensch! Diese Drohung kann nicht abgewehrt werden!

Schlagzüge:
Kein Überprüfung nötig, da die Lösung bereits gefunden wurde, ausser Sherlock genehmigt sich ein weiteres Glas oder Cavalblanca saugt weiter an der Zigarre.

Drohungen:
Nicht nötig, wir sind alle ab der Lagavulin Lösung angeheitert.

Kandidat spielen: 
19. Dxh6+ Kxh6 20. Tf3 (g5 21. Th3# in dieser Variante darf auch Ld3 zur Abwechslung wirken) Sh4 22. Txh4+ Kg7 23.Th7#

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