ANALYSEN‎ > ‎Massimo's Kolumne‎ > ‎

Out of the blue

veröffentlicht um 02.05.2013, 03:25 von Admin Nimzowitsch

Es gibt doch immer wieder Kombinationen, welche scheinbar aus dem Nichts auftauchen... Out of the blue sozusagen. Nehmen wir beispielsweise die Diagrammstellung aus Hardicsay – Adorjan, Ungarn 1972, Schwarz am Zug. Scheinbar wenig los, doch der Schein trügt und der wahre Held der Stellung hält sich noch vornehm zurück! Gehen wir über zur Spurensuche!

 

Tatort/Stellung aufnehmen: Eine Sägezahnstellung nachNimzowitsch, der Bauer d4 steht den Bauern c6 und e6 gegenüber. Auffällig ist, dass Weiss noch nicht rochiert hat – und dies nur, weil der La6 mit einem Flammenwerfer von a6 bis f1 es verunmöglicht. Gut, die Lb2, Dc3 Batterie ist auch auffällig aber mehr als die Nicht-Rochade und Damen Läufer Batterie fällt nicht auf.

 

Die Analyse geht weiter mit den Schachs und ist auch gleich rasch abgeschlossen. Einzig 1…Dc7-g3+ ist in diesem Sinne möglich – wäre da nicht der Bauer auf h2, wäre dies gar Matt! So aber ist nach 1…Dc7-g3+ 2. h2xg3 die Partie mit einem Weisssieg bald zu Ende.

 

Der analytische Vorgang geht weiter mit den Schlagmöglichkeiten. Abermals kann die schwarze Dame auf der Diagonalen b7-h2 tätig werden und mit 1…Dc7xh2 losschlagen. Danach ist allerdings nichts mehr los – ich sehe keine Fortsetzung dazu. Okay, bleibt lediglich noch 1…Sf6xe4 zu prüfen. Wie kann Weiss darauf antworten? Die Weisse Dame ziehen verliert einen Bauern und wohl auch bei miserabler Stellung die Partie. Den Se4 kann Weiss indes auf 2 verschiedene Möglichkeiten schlagen. Zunächst 2 f3xe4 und jetzt die Stellung visualisieren. Aha! 2…Le7-h4+ ist brandgefährlich, kann aber bequem mit 3. g2-g3 abgewendet werden. Auch nach 1…Sf6xe4 2. Sd2xe4 ist nichts mehr los. Ich erkenne für Schwarz keine Fortsetzung.

 

Demnach kommen wir nun zu den DrohungenHmmmm, fast zu ruhig diese Stellung, um was sinnvolles zu drohen. Vielleicht 1…b6-b5 (positionell ein Blödsinn, der La6 wird eingesperrt und Weiss könnte jetzt oder eventuell später rochieren) was immerhin den La4 angreift. La4 kann aber mit aber sich auf b3 oder c2 ziemlich flink zurückziehen und es verbleibt dann nur noch der miese La6, der seinen eigenen Bauern anstarrt. Es bedarf eines geschulten Blicks, bzw. darf man sich von allgemein gültigen Grundsätzen nicht zurückbinden lassen, um 1…Sf6-d5 zu ziehen. Klar, dies stellt vorderhand den Springer ein – doch unsere Methode hat durchaus Sinn oder Unsinn??? Ähm, ich meine – selbst sinnlose Züge müssen im Schach geprüft werden, dies ist wirklich wichtig, um sich zu verbessern! Okay, wollen wir kurz 1…Sf6-d5 anrechnen. Der Rappe greift immer hin die Weisse Dame an. Nun kann Weiss schlagen oder wegziehen. Gerade sinnvolle Wegzüge für die Dame gibt es nicht unbedingt, denn nach z. B. 2. Dc3-c1 ist Sd5-e3 bereits unangenehm. Doch nicht zu schnell und zu weit rechnen! Nach 2. Dc3-c1 können wir nämlich auf zwei bereits angerechnete Ideen zurückgreifen… Gesehen?! 2…Le7-h4+ ist wahrlich ein Hammerzug! Der eingesperrte Weisse König (wir danken dem La6) kann nicht fliehen. 3.g2-g3 ist der einzige Ausweg und nun folg ganz famos! 3…D/Lxg3+ und nach 4. h2xg3 entscheidet 4…L/Dxg3# - wirklich schön! Zu schön, um wahr zu sein?! Von vorne; 1…Sf6-d5 und nun statt 2. Dc3-c1, was wie gesehen verliert, muss 2. e4xd5 folgen. Okay, dann visualisieren wir das Ganze. Na sag mal!!! Das ändert ja überhaupt nichts 2…Le7-h4+ bleibt ein Hammerzug! Abermals hat der Ke1 das Nachsehen – er kann nicht ziehen und muss zu 3. g2-g3 zurückgreifen mit der bereits bekannten nachteiligen Folge, dass 3…L/Dxg3+ folgt und nach 4. h2xg3 das Kreuzfeuer 4…L/Dxg3# zum Matt führt!

 

Ich finde schon, dass diese Kombination aus dem Nichts kommt. Wie von Geisterhand, steht plötzlich der heldenhafte Le7 auf h4 und gibt Schach, wonach es kein Entrinnen mehr gibt.

 

Schlusswort: 1…Sd5! 2 exd5 Lh4+ 3 g3 L/Dxg3+ 4 hxg3 und nun D/Lxg3#

 

Hmm heute war das aber schon etwas zu trocken. Flasche Lagavulinwar leer, kein Wunder - Trappatoni Ehrenwort!