ANALYSEN‎ > ‎Massimo's Kolumne‎ > ‎

Schach ist Mustererkennung!

veröffentlicht um 22.01.2014, 03:35 von Admin Nimzowitsch   [ aktualisiert: 22.01.2014, 03:36 ]
Neulich erhielt ich eine sehr weit gereiste Postkarte. Abgeschickt hatte diese kein minderer als Mr. Spock! Darauf nur eine Schachstellung mit der Aufschrift: Schach ist Mustererkennung! Ich wurde nicht schlau daraus. Was hat das bitteschön mit Logik zu tun? Soll ich etwa wie ein Arzt eine Röntgenaufnahme machen und die Muster erkennen? Doch wie ein Arzt die Feinheiten sofort erkennt obwohl für einen Laien alles gleich aussieht, so muss man sich vorstellen, dass ein grossmeisterliches Auge eine Schachstellung durchblickt.

Die Stellung stammt aus Gavrilakis - Jones, Novi Sad 1990 mit Weiss am Zug


Nachdem ich entnervt über eine halbe Stunde über die Stellung brütete, beherzigte ich den Hinweis von Mr. Spock und machte mich auf die Suche nach Mustern. Zu meinem Leidwesen kostete mich das eine ganze Flasche Lagavulin. Erst nachdem ich diesen genüsslich bis zum letzten Tropfen getrunken hatte, stiess ich auf die Lösung.

Das Muster liefert Robert Fischer, und zwar in der Partie Fischer - Benko, New York 1963 - Weiss am Zug. Eine berühmte Stellung welche in keinem guten Kombinationsbuch fehlen darf!


Fischer zog 1.Tf6!! und der Rest ist genüssliche Geschichte! 1...Kg8 (auf 1..dxc3 folgt 2.e5 und auf 1...Lxf6 folgt wieder 2.e5 - beide Male mit Gewinn). 2.e5 h6 3.Se2! und Schwarz gab auf. 3.Txd6 mit der Idee Df5 folgen zu lassen ist nicht gut, weil dann noch 3...Dxe5 folgen kann. Nach 3.Se2! mit der Idee Txd6 folgen zu lassen kommt 3...Sb5 und erst jetzt 4.Df5! mit Gewinn.

Wir fassen zusammen: Zunächst hemmt eine Figur auf f6 den schwarzen f-Bauern am Ziehen, wonach der Ld3 nachdem e4-e5 gezogen wurde auf h7 schielt. Zusammen mit der Dame auf h5 oder alternativ auf f5 ist es das Ende für den schwarzen König.

Damit ist die Mustererkennung abgeschlossen und wir können die eingangs angeschaute Stellung von Gavrilakis-Jones, Novi Sad 1990 im Nu auflösen - ohne zu Rechnen! Da soll noch einer sagen, dass man fürs Schachspielen rechen können muss! Nein, nur Muster erkennen, das genügt!

Gavrilakis zog 1.Sf6 und drohte Matt auf h7 (man beachte: Der Bauer f7-wird am Ziehen gehindert; wieder mit einer Figur auf f6)1...Lxf6 (da die schwarze Dame angegriffen war gab es keinen anderen Zug). 2.Le4 (okay, der Läufer war noch nicht auf d3 bzw. auf der Diagonalen b1-h7, aber jetzt ist er da. Statt wie Fischer e4-e5 zu ziehen kommer er gleich selber auf die Diagonale). Es folgte noch das belanglose 2...Lf5 3.Lxf5 Dxf5 4.Dxf5 und Schwarz gab auf. 
 
Darum fleissig Kombinationsbücher lesen/lösen und Muster und keine Züge sich einprägen!